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Hundeschule Dogs Connection

Dr. med. vet. Janey May – Bedürfnisorientierte Verhaltenstherapie

Erst sagen, dann tun!

Zusammen ein Team sein ist viel schöner, als gegeneinander arbeiten.

Machen wir Urlaub in Japan, oder irgendeinem Land, wo Sprache und Körpersprache für uns selbst nicht oder schwer verständlich sind, würde wir trotzdem niemals auf die Idee kommen, die erwachsenen Personen dort rumzudrücken, -schubsen oder –manövrieren, nur weil wir nicht sagen können, was wir von ihnen wollen. Wir würden nicht hoffen, dass sie wie Marionetten, alles mit sich machen lassen, nein, wir würden sogar mit ziemlich lebhafter Gegenwehr rechnen. Bei allen denkenden und fühlenden Lebewesen ist das der Fall.

Warum ist es also gesellschaftlich so normal, bei kleinen Kindern und Tieren eben doch mit Zubbeln, Drücken und Zerren zu arbeiten? „Ja, der versteht mich ja eh nicht.“ , ist da meist die Entschuldigung. Oder „Für Diskussionen habe ich keine Zeit.“ Und hier setze ich meist mit meinen Kunden und ihren Hunden an. Die Zeitrechnung arbeitet nämlich gegen einen. Wer ohne Ankündigungen arbeitet, hat je nach Persönlichkeitstyp des Hundes nur 2 Ergebnisse zu erwarten: entweder man hat einen gehemmten Hund, der alles über sich ergehen lässt und dabei immense Stresshormone aufbaut, oder man hat einen Hund, der immer eine größere Schippe oben drauf legt. Die Gegenwehr ist irgendwann nicht mehr zu managen. Beide Ergebnisse kommen für mich nicht in Frage, weder bei meinem Kind, noch bei meinen Hunden.

Wie verhält es sich also mit den Ankündigungen. Ich setze einfach ein Signal mindestens 3 Sekunden vor meine Handlung. Sicher weiß weder Kind noch Hund, was zum Beispiel „Anziehen“ bedeutet, aber nach der dritten Wiederholung haben wir schon Assoziation und es entsteht eine Erwartungssicherheit. Sicherheit darüber, wo und wie ich gleich angefasst werde, oder was mit mir passiert. Nach und nach weiß sowohl Hund, wie Kind ganz genau, was passiert und kann sich emotional auf mein Handeln einstellen.

Und dann kommt es aber doch noch hin und wieder zu Gegenwehr. Ja richtig. Weil sie eigene Ideen haben, Ideen, was sie gerade machen möchten. Was sie gerade noch im Kopf haben und gerne fertig erledigt haben möchten. Das ist doch völlig normal, oder etwa nicht? Da rate ich wieder zu einem Perspektivwechsel und der einfachen Überlegung, wie schnell man das spannende Buch zuklappt, wenn der Partner einem eine Frage stellt.

Ich gebe bei meinem Vorhaben einen abgesteckten Handlungsrahmen. Wenn ich den Hunden Geschirre und Leinen anmachen möchte, oder das Kind für den Ausflug anziehen möchte, begebe ich mich vorausschauend in ein Zimmer und schließe die Tür. Wie viel tolle Beschäftigung in dem Raum ist, habe auch ich in der Hand, man muss nur daran denken… Und dann kommt es bei den Hunden, die da oder dort noch etwas in die Nase bekommen schon mal vor, dass ich meine Ankündigung 5 mal wiederholen muss. Zwischendrin lasse ich sie einfach tun. Und siehe da, niemals werden es mehr als 5 Wiederholungen, wenn ich den Rahmen vorher gut abgesteckt habe. Ich rede natürlich nicht vom Wald, wo Hund und Rehe gerade Freilauf zeigen. Oder dem Kind im Süßigkeiten Laden.

Unterm Strich spare ich mir sehr viel Zeit, denn die Situationen, wo ich nur ein Mal ankündige und Hunde und Kind völlig kooperieren sind weitaus häufiger. Und ich persönlich hasse nichts mehr als Machtkämpfe! Dabei gibt es nur Verlierer. Auf allen Seiten, vor allem auf der Seite des Vertrauens und der Bindung.

Wenn mein Gegenüber sich emotional auf die Dinge einstellen kann, erschrickt sie nicht. Es wird kein Adrenalin ausgeschüttet, das Hirn bleibt denkfähig! Mit jedem Mal Zwang und Flucht, wird es also schlimmer, denn die Hormone wirken auf das Gehirn. So einfach also der Hintergrund. Und sinnlos das Argument über die Zeitersparnis.

Im Alltag hat mir die Ankündigung „Anfassen“ bei unserem Angsthund Timon schon so einiges erspart, und ihm auch. Wenn ich doch mal übersehe, dass ihn jemand ungefragt anfassen mag, oder gar ein Kind blitzschnell zu ihm geht, dann kann ich ihn warnen. Anstatt zu Schnappen, rennt er dann weg. Der Moment des Erschreckens erspart hierbei wieder das Adrenalin und sein Hirn denkt, er flüchtet lieber, als sich zu verteidigen, das spart Stress und Energie. Alleine meine Ansage führt dazu, dass er weiß was gleich mit seinem Körper passiert. Er kann zeigen ob er das möchte oder nicht. Er kann eine uns verständliche Sprache sprechen. Wenn man denn die Augen auf macht.

Hunde haben eine perfekte Grundausstattung, was die Kooperation mit uns anbelangt, sie wollen nicht gegen uns arbeiten (und Gleiches habe ich über Kinder erfahren und gelesen).

Gerade heute zog sich das Anziehen für den Ausflug mit den Hunden hin. Lina hatte noch so einiges zu tun heute. Fertig im Hundebuch blättern, ihre Socken sortieren… und ich durfte und durfte sie nicht in den warmen Anzug stecken. Zurücklehnen, und genau Hinschauen hat mir gezeigt woran es lag, sie hatte Hunger und war ganz dankbar, als ich sie das fragte. Im Kopf hatte ich es nicht, da sie 20 Minuten vorher in der Küche nichts wollte. Aber die Beschäftigung im Bad hat sie hungrig gemacht, oder sie hat den Hunger dann erst gespürt. Wie auch immer. Wir haben gegessen und siehe da, sie kam selbst mit Anzug in der Hand an und wollte in die Trage steigen. Wie schrecklich wäre es gewesen, wenn ich so ein Grundbedürfnis über meine körperliche Macht bezwungen hätte? Eingeschlafen wäre sie in der Kälte beim Ausflug dann sicher auch, aber nicht so zufrieden und tief bestärkt in unserem Verhältnis.

Wer tiefer in dieses tolle Training einsteigen mag, kann sich Videos zu Medical Training bei Hunden anschauen oder einen kompetenten Trainer fragen.

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